Dr. med. Sigrid Hülsbergen-Krüger

Fachärztin für Plastische Chirurgie und Chirurgie/Handchirurgie

PRAXISKLINIK FÜR ÄSTHETISCH-PLASTISCHE UND HANDCHIRURGIE IN HAMBURG
Schwerpunktthema Handchirurgie

Dupuytrensche Kontraktur, die Wikingerkrankheit

Diese Erkrankung beginnt mit einem kleinen , schmerzlosen Knoten in der Hand. Sie tritt bei Männern zehn mal so häufig auf wie bei Frauen und beginnt zumeist zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr. Gewöhnlich bleibt es zunächst bei dem kleinen Knoten, bis es einige Jahre später zu einem neuen Schub der Erkrankung kommt. Dann wird der Knoten grösser und es treten weitere hinzu. Im weiteren Verlauf bilden sich Stränge in der Hand, die nach und nach die Finger hinunterwachsen. Irgendwann beginnen sich dann die Finger zu verkrümmen und können nicht mehr vollständig gestreckt werden. Schliesslich werden die Finger immer krummer, bis man die Innenseiten nicht einmal mehr waschen und die Fingernägel nicht mehr schneiden kann. Im ungünstigsten Fall verursachen diese dann große Löcher in der Hand.

Dupuytrenschen-KontrakturDie Betroffenen glauben oft, daß die Sehnen sich verkürzt hätten und daß schwere Arbeit die Ursache der Erkrankung sei. Dies ist jedoch nicht der Fall. Es handelt sich um Bindegewebswucherungen, die über den Sehnen sitzen und in die Gewebespalten der Hand hineinwachsen. Die Erkrankung ist genetisch bedingt und betrifft die Abkömmlinge der Kelten. Die bekannteste keltische Volksgruppe sind die Wikinger, daher heißt diese Erkrankung im englischen Sprachraum Vikingsdesease, die Wikingerkrankheit. In Deutschland wird sie nach ihrem Erstbeschreiber, einem französischen Arzt, Dupuytrensche Kontraktur genannt.

Das Hauptverbreitungsgebiet ist , da Haitabu, die Hauptstadt der Wikinger, in der Nähe von Schleswig lag, Norddeutschland und Westjütland. Hier sind fast 10% der männlichen Bevölkerung über 50 Jahren von der Erkrankung betroffen.

Eine Verbindung mit Diabetes Typ II ( sogenannter Altersdiabetes ) und Alkoholkrankheit wurde in wissenschaftlichen Studien festgestellt. Die Art der Verbindung ist jedoch noch nicht bekannt. Manche Patienten beklagen sich bei mir, wenn sie zum ersten Mal in die Sprechstunde kommen, daß der Hausarzt gesagt hätte, sie würden wohl zu viel Alkohol trinken und hätten dadurch eine Dupuytrensche Kontraktur entwickelt. Hintergrund dieser Behauptung ist eine Studie , die in Trinkerheilanstalten durchgeführt wurde und hier eine besondere Häufigkeit dieser Erkrankung bei den Patienten feststellte. Meine persönliche Meinung ist, daß die Neigung zur Alkoholsucht möglicherweise auf einem benachbarten Genort im genetischen Programm des Menschen lokalisiert ist, ebenso wie der Typ II -Diabetes. Dafür spricht auch die überlieferte, legendäre Trunksucht der Wikinger. Das bedeutet jedoch nicht, daß jemand, der eine Dupuytrensche Kontraktur hat, ein Trinker ist. Es könnte jedoch bedeuten, daß die Betroffenen im Umgang mit Alkohol vorsichtig sein müssen, da sie eventuell ein erhöhtes Risiko für eine Suchterkrankung haben.

Die Behandlung der Dupuytrenschen Kontraktur besteht in einer Operation, bei der die Strangbildungen in ihrer gesamten Ausdehnung freigelegt, von den Gefäßen, Nerven und Sehnen der Hand sorgfältig abgeschält und entfernt werden. Alle Versuche , die Strangbildungen mit Medikamenten , Gymnastik oder Laser zu behandeln , erwiesen sich bisher als erfolglos . Ein Medikament, das bei einspritzen in die Stränge zu einer Auflösung der Strangbildungen führte, wurde wegen gravierender Nebenwirkungen nach kurzer Zeit wieder von Markt genommen. Gelegentlich wird noch die sogenannte Nadelmethode eingesetzt. Dabei wird eine scharfkantige Nadel durch die Haut gestochen und durch hin- und herbewegen der Nadel der angestochene Strang durchtrennt. Dies hat jedoch zwei Nachteile. Erstens verbleiben die wuchernden Strangbildungen in der Hand und finden bald wieder Anschluss , wodurch es rasch zur erneuten Verkrümmung der Finger kommt. Ausserdem wachsen die Stränge oft wie Wendeltreppen um die Blutgefässe und Nerven herum. Durchtrennt man nun den Dupuytrenstrang blind mit der Nadel, kommt es leicht auch zur versehentlichen Mitdurchtrennung von Gefässen und Nerven. Das führt im günstigsten Fall zu einem gefühllosen Finger und im ungünstigsten zu einer schweren Durchblutungsstörung mit Verlust des Fingers. Diese Methode kommt daher eher nur für Patienten infrage, die aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters oder schlechten Gesundheitszustandes nicht operiert werden können.

Tatsächlich handelt es sich nicht um keine kleine Operation und oft dauert es eine ganze Weile, bis die normale Funktionsfähigkeit der Hand wieder hergestellt ist. Da der Eingriff technisch recht anspruchsvoll ist, sollte er durch einen spezialisierten Handchirurgen durchgeführt werden.Bei den meisten Patienten sind die Finger bei Ende der Operation wieder frei streckbar. Allerdings haben sich durch die lange Zeit , in der die Finger verkrümmt waren , Gelenke,Nerven und Gefässe an die Situation angepasst. Beim strecken der Finger werden nun die Nerven und Gefässe wie Gummibänder in die Länge gezogen und wie Gummibänder ziehen sie sich dann auch wieder zusammen. Es bedarf daher einiger Mühe und Anstrengung des Patienten, durch intensive Fingergymnastik das erreichte Operationsergebnis aufrechtzuerhalten. Bei einer nicht sehr fortgeschrittenen Dupuytrenschen Kontraktur kann die Therapie eventuell schon nach 4 - 6 Wochen abgeschlossen sein, in fortgeschritteneren Fällen kann dies jedoch auch etliche Monate dauern und eine zusätzliche Schienenbehandlung erfordern.

Wird erst bei sehr ausgeprägter Fingerverkrümmung operiert, oder besteht zusätzlich eine Fingerpolyarthrose bleibt die Beweglichkeit der Finger dauerhaft eingeschränkt. Dennoch sollte die Operation erst durchgeführt werden, wenn die Fingerstreckung deutlich erkennbar beeinträchtigt ist, denn leider ist damit zu rechnen, daß die Erkrankung wiederkommt. Es gibt einige wissenschaftliche Untersuchungen dazu, in wieviel Prozent der Fälle sich nach einer OP erneut Stränge bilden, die zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Nach meinem persönlichen Eindruck nach nunmehr 25 Jahren Tätigkeit als Handchirurgin denke ich, daß die Erkrankung auf jeden Fall wiederkommt. Da die Dupuytrensche Kontraktur jedoch erst spät im Leben auftritt und oft nur sehr langsam fortschreitet, erleben viele Patienten das Stadium, in dem eine erneute OP erforderlich ist, nicht mehr. Eine zu frühzeitige Operation bedeutet also oft nur eine Operation mehr als wirklich nötig.

Treten chronisch wiederkehrende Schmerzen auf, liegt dies gewöhnlich daran, daß es in Einzelfällen zu einer Sehnenscheidenentzündung der unter den Strang- und Knotenbildungen gelegenen Beugesehnen kommt, denn die Dupuytrensche Erkrankung selbst ist schmerzlos. Hier sollte zunächst versucht werden, die Sehnenscheidenentzündung durch Medikamente oder eine Cortisonspritze zur Ruhe zu bringen. Gelingt dies nicht , kann tatsächlich eine frühzeitige Entfernung der Dupuytrenknoten und -Stränge erforderlich sein, gemeinsam mit einer Ringbandspaltung und Entfernung des entzündeten Gewebes von den betroffenen Sehnen.

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