Dr. med. Sigrid Hülsbergen-Krüger

Fachärztin für Plastische Chirurgie und Chirurgie/Handchirurgie

PRAXISKLINIK FÜR ÄSTHETISCH-PLASTISCHE UND HANDCHIRURGIE IN HAMBURG
Schwerpunktthema Handchirurgie

Karpaltunnelsyndrom

An der Beugeseite des Handgelenkes verlaufen die Sehnen, die die Finger krümmen, durch einen Tunnel. Mit den Beugesehnen läuft auch der Nerv, der für das Gefühl im Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger und für die Hälfte des Ringfinger zuständig ist, durch den Karpaltunnel. Dieser Tunnel ist nicht elastisch.

Es gibt viele Gründe für einen Platzmangel im Karpaltunnel. So können zum Beispiel Verformungen im Handgelenksbereich durch Brüche oder Verschleiss- und Rheumaerkrankungen zu Verengungen des Karpaltunnels führen. Häufig sind es aber chronisch schleichende und wiederkehrende Sehnenscheidenentzündungen, die zu einer Verdickung der Sehnenhüllen führen und damit einen Engpass im Tunnel verursachen. Die Sehnen selbst nehmen dabei nicht so schnell Schaden. Sie scheuern aber an den Tunnelwänden, was die Entzündung verschlimmert. Der Nerv ist jedoch eine viel empfindlichere Struktur. Er wird von den dicker werdenden Sehnen zerdrückt. Anfangs sind es zusätzliche leichte Schwellungen, ausgelöst zum Beispiel durch die warme Bettdecke, die die typischen Symptome auslösen.

Diese bestehen in ziehenden Schmerzen in der Hand oder im Arm und Kribbelmissempfindungen oder taubem Gefühl in den von dem Nerven versorgten Fingern. Zunächst treten die Beschwerden besonders nachts auf. Oft müssen die betroffenen Patienten aufstehen, den Arm schütteln oder unter kaltes Wasser halten um die Symptome zum Verschwinden zu bringen. Später treten die Beschwerden auch tagsüber auf, zum Beispiel bei Belastung, beim telefonieren, Auto oder Fahrrad fahren. Oft tritt eine Kraftlosigkeit hinzu, so daß einem Dinge aus der Hand fallen. Bei fortschreiten der Erkrankung verliert man das Feingefühl in der Hand, das halten von Nähnadeln oder Büroklammern gelingt nicht mehr. Zusätzlich schwindet der Daumenballen. Dann ist auch die Feinmotorik der Hand deutlich gestört.

Die Behandlung besteht zunächst in einer Schienenruhigstellung für die Nacht, die das Handgelenk in eine günstige, entlastende Position bringt und der Bekämpfung von Schwellungen und Sehnenscheidenentzündundungen. Dazu gehört die Gabe von leichten Antirheumamitteln, wie zum Beispiel Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen, die entzündungshemmend und abschwellend wirken. Da Erkrankungen, die mit Wasserhaushaltsschwankungen einhergehen, wie zum Beispiel Schilddrüsenerkrankungen, Nierenerkrankungen, Zuckerkrankheit, oder auch Sexualhormonstörungen ( Wechseljahre, Eierstockentfernungen) Schwellungen und Sehnenscheidenentzündungen begünstigen, sollte auch nach solchen Ursachen gefahndet werden. Nach Handgelenksbrüchen oder bei arthrosebedingten und rheumatischen Knochenverformungen sind auch Röntgenaufnahmen, eventuell mit einer speziellen Karpaltunnelaufnahme erforderlich. Zur Sicherung der Diagnose sollte eine neurologische Untersuchung erfolgen. Der Neurologe misst mit einem speziellen Gerät die Nervenleitgeschwindigkeit im Arm. Dabei kann er recht genau feststellen, an welcher Stelle die Geschwindigkeit der Nervenimpulse sich verlangsamt. Dies ist der Bereich des Nerven ,wo durch Druck auf den Nerven " nichts mehr durchgeht". Ist dies im Bereich des Handgelenkes der Fall, kann man also sicher sein, daß hier das Problem liegt und nicht etwa ein Schaden an der Halswirbelsäule, der ebenfalls Nervenstörungen im Arm mit Fingerkribbeln und Taubheitsgefühl verursachen kann, die Ursache ist. Allerdings gibt es auch Fälle, wo beide Probleme gleichzeitig auftreten.

KarpaltunnelsyndromBleibt eine ca. 6 wöchige Schienenbehandlung und eine 3-4 wöchige Behandlung mit Tabletten ohne Erfolg oder kehren die Symptome nach weglassen der Schiene rasch wieder zurück, sollte der Karpaltunnel operativ geöffnet werden. Der Tunnel wird dann zunächst offen gelassen und heilt allmählich von allein wieder zu. Das dabei entstehende Narbengewebe führt zu einer bleibenden Erweiterung des Tunnels. Die Haut darüber wird natürlich fein vernäht und verheilt innerhalb von ca. zwei Wochen. Die Heilung des Tunnels benötigt jedoch länger. Dementspechend besteht noch für ca. 6-8 Wochen eine deutliche Kraftlosigkeit. Die Erholung der Nervenfunktion mit verschwinden des Fingerkribbelns und der Taubheit , sowie der druckbedingten Schmerzen im Arm verläuft sehr unterschiedlich. Ist die Operation rechtzeitig erfolgt, bevor irgendwelche Strukturschäden des Nerven vorliegen, verschwinden die Beschwerden oft schlagartig nach der Operation oder im Laufe weniger Tage danach. Wurde jedoch mit der OP lange gewartet, insbesondere aber, wenn solange gewartet wurde bis bereits ein ständiges Taubheitsgefühl der Finger bestand, kann der Erholungsprozess sehr lange (bis zu zwei Jahren) dauern und auch unvollständig bleiben.

Insgesamt ist die Karpaltunneloperation ein kleiner Eingriff mit einer der höchsten Erfolgsraten bei operativen Eingriffen überhaupt. Komplikationen sind selten. Möglich sind zum Beispiel Nachblutungen, Blutergüße, Wundinfektionen, Narbenprobleme, Gefäß-,Nerven-,Sehnenschäden und Bewegungseinschränkungen. Patienten, die glauben, die Operation hätte keinen ausreichenden Erfolg gehabt, leiden jedoch am häufigsten in Wirklichkeit an einer zusätzlichen Manifestation der zugrundeliegenden Sehnenscheidenentzündung ( siehe Springfinger ). Dies ist leicht daran erkennbar,daß der Patient weiterhin über Schmerzen in der Hand oder im Arm klagt, die Kribbelmissempfindungen und das Taubheitsgefühl aber nach der OP verschwunden sind. Eine entsprechende Behandlung schafft hier Abhilfe.

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